04 Der Mensch, unangepasst und überfordert - Arnold Gehlens Kulturanthropologie
Durchblick Philosophie
Anthropologie betrachtet den Menschen als Mängelwesen, das seine biologische Unspezialisiertheit durch Kultur kompensiert. Im Gegensatz zum biblischen Schöpfungsmythos, der den Menschen als Krone der Schöpfung definiert, verdeutlicht der Prometheus-Mythos die körperliche Unterlegenheit und Wehrlosigkeit des Menschen. Arnold Gehlen prägte hierfür den Begriff des Mängelwesens: Da der Mensch keine instinktgesteuerte Anpassung an einen spezifischen Lebensraum besitzt, schafft er sich durch Technik und soziale Institutionen eine „zweite Natur“. Diese Institutionen dienen der Entlastung, indem sie komplexe Verhaltensentscheidungen vorstrukturieren und so den Handlungsspielraum begrenzen, um überhaupt erst individuelles Handeln zu ermöglichen. Trotz dieser funktionalen Vorteile bleibt die kritische Frage bestehen, ob die Stabilität durch Institutionen die individuelle Freiheit und Gerechtigkeit einschränkt oder ob der Mensch ohne diese vorgezeichneten Bahnen an der Last seiner eigenen Freiheit verzweifeln würde.
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